Straßenfest und „Kümmerer“ im Quartier

8.7.2013

Seit sich die alte Werbegemeinschaft des Rather Einzelhandels unter dem Fähnchen „Wir in Rath“ neu formiert hat, organisiert sie ein Nikolaus- und ein Sommerfest. Rather finden es sicher originell, dass dabei der Nikolaus aus Schützen-Lokalprominenz Klaus-Peter D. besteht, der im selben Kostüm auch den Martin beim Umzug gibt. Ist, in Schokofigurendimensionen, ja alles fast dasselbe… Aber wo war ich? Sommerfest, nicht Nikolaus. Es war ein lustig gemachtes Fest, diesmal nicht vorn auf dem Hülsmeyerplatz sondern hinten auf den Parkplätzen von Sparkasse und Karosseriebauer. Hüpfburg, Tombola, Bierwagen. Herrliches Wetter, was in diesen Tagen ja nicht als selbstverständlich anzusehen ist.

Ein interessantes Gespräch hatte ich dabei mit einer Kümmerin. Genau, liebe Rechtschreibprüfung, da guckst du genauso wie ich das tat… Die Architektin Dorothee Linneweber von Haus-und-Grund ist „Kümmerin im Quartier“, ein Ehrenamtstitel der „Kooperation im Quartier KIQ„. Die KIQ wollen helfen, den Stadtteil attraktiver aussehen zu lassen. Ich finde ja, dass Rath schon immer besser war als sein Ruf, sich zudem in den letzten Jahren schon viel Gutes getan hat und eben mit „Wir in Rath“ auch schon eine Organisation zum Kümmern geschaffen ist, aber natürlich gibt es immer viel Arbeit. Man hat viel vor: „Die Marke Westfalenstraße beleben“, Bänke auf den Baumscheiben des Hülsmeyerplatzes aufstellen, eine Datenbank zum Leerstandsmanagement anlegen, Immobilienbesitzern bei der Energiesanierung beratend zur Seite stehen – man bemerkt die Handschrift von Architekten, den hohen Bezug zu Gebäuden, nicht zu Menschen.

Ich bin gespannt auf die Auswirkungen. Rath hat noch viel vor!


Neonazis gegen Moschee in Rath

3.8.2008

In Rather Briefkästen findet sich heute ein besonders häßliches Flugblatt der NPD, das gegen den Bau einer Moschee in Rath hetzt. Neben sehr unangenehm „völkischen“ Phrasen und keinerlei neuen Fakten ziert das Flugblatt eine wirklich widerliche Karikatur, die mit der Neonazi-Sichtweise ethnischer Merkmale spielt.

Meines Wissens geht von der NPD in Düsseldorf insgesamt keine große Gefahr aus, in Rath ist sie sicher nicht speziell vertreten, anders als es der Text des Flugblatts suggeriert. Vor allem aber glaube (hoffe) ich, daß ein solcher Schuß übers Ziel hinaus einen eher gegenteiligen Effekt auf die Sache der Moscheegegner hat: Diejenigen, die sich z. B. in der Bürgerinitiative (deren Website ist übrigens offline) formiert haben und sich selbst noch als „anständige Bürger“ titulieren würden, dürften eher wenig begeistert davon sein, plötzlich mit den Neonazis in einer Ecke zu stehen.

Wer wirklich auf einen ausgewogenen Stadtteil aus ist, und wer die Fakten kennt, z. B. daß die marokkanische Gottesdienststätte in Rath schon lange, friedlich und problemlos existiert und jetzt nur ein paar Häuser weiter zieht, der wird wissen, was er von einem Auftritt der NPD in Rath zu halten hat.


Rath doch sicherer als gedacht

10.5.2008

„Wie sicher leben wir in Rath?“ fragte die CDU bei einem Stammtisch. Viele waren sicher gekommen, um ihre subjektiven Erwartungen bestätigt zu sehen, doch sie erfuhren etwas ganz anderes: „In Rath lebt man nicht unsicherer als in anderen Stadtteilen.“ Kriminalhauptkommissar Schnabel hatte sich mit Statistiken gerüstet, die zeigen, daß Rath, verglichen mit sechs anderen vergleichbar großen Stadtteilen, gerade im Mittelfeld liegt. Die wachsende Gewaltbereitschaft der Jugendlichen konnte Schnabel ebenfalls nicht sehen, 50 % der Täter bei Körperverletzungen sind zwischen 30 und 49 Jahre alt, außerdem ist ihre Gesamtzahl rückläufig. Bleibt der hohe Ausländeranteil: 23,9 % der Rather sind Ausländer, und auch bei den Täterzahlen findet man sie mit einem Viertel genau im entsprechenden Anteil wieder.

Anscheinend weicht die „gefühlte Kriminalität“ von der gemessenen ab. Wenn es in Rath eine Dunkelziffer nicht angezeigter Taten gibt, ist das aber nicht Schuld des Auges des Gesetzes (Sprechstunde des BüNaBe ist übrigens donnerstags um 10:00 im Awo-Zentrum Plus auf der Westfalenstraße).

Für mehr gefühlte Sicherheit sorgen soll denn auch Ratsfrau Sylvia Pantels nächster Vorschlag: Die S-Bahn-Unterführung, die vielen Menschen nicht behagt, soll eine Videoüberwachung erhalten. Wir erinnern uns an aktuelle Statistiken aus Kamerahochburgen wie London oder dem Bolker Stern, die Ergebnisse zeigen sämtlich keinen Kriminalitätsrückgang, sondern eine verbesserte Aufklärungsquote. An einem Ort, an dem es nur gefühlte Kriminalität gibt, genau die richtige Waffe…

„In other news“, wie der Ami sagt, hat der Bürgerverein Rath nach seiner jüngsten Sitzung in Robert Winkels wieder einen handlungsfähigen Vorstand. Der nächste Martinszug kann kommen, und er kommt früher als gedacht, und das unsägliche Jahr in Abwesenheit von Christoph N. sei möglichst schnell vergessen.