Angriffskriege sind selten klug

25.3.2011

Was fängt er jetzt wieder mit Angriffskriegen an, es war ja wohl kaum ein Angriffskrieg, den Libyern unter die Arme zu greifen bei dem Versuch, sich ihres ungeliebten Führers zu entledigen?

Nun, was dann? Es ist ein alter Grundsatz, sich nicht in die inneren Angelegenheiten eines Landes einzumischen, üblicherweise auch dann nicht, wenn man klare persönliche Sympathien für eine der Seiten hat. Wir tun es nicht in Nordkorea, nicht im Iran, und wir sehen heute, daß es nicht klug war, es im Irak zu tun. Wir haben es in Ägypten nicht getan – und jetzt in Libyen soll es richtig sein?

Westerwelle – den ich wahrlich nicht schätze! – muß sich verantworten, weil er das nicht unterstützen wollte?

Wir haben einen gewissen Erfahrungsschatz damit, wo uns diese Einmischungen hinbringen, Afghanistan und Irak sind offene Baustellen, an denen wir noch lange „zu knapsen“ haben werden. Sie sind auch Beispiele dafür, daß es nicht reicht, daß wir insgesamt nicht unrecht hatten, daß dort jetzt bessere Orte sind als vorher (jedenfalls mit unserem Wertekompass gemessen). Wir haben uns die inneren Angelegenheiten dieser Länder zu eigen gemacht, und jetzt, wo wir da „mal aufgeräumt haben“, würden wir am liebsten wieder gehen. Aber dieses exportierte, oktroyierte Wertesystem hat dieselben Probleme wie unsere Entwicklungshilfepolitik: Solch einmaliges Aufräumen kann nicht verhindern, daß danach alles wieder ins Vorherige zurückfällt – oder, schlimmer gar, ins gegenteilige Extrem. Statt uns für unser „Aufräumen“ zu danken, haben wir neue Feinde gewonnen. Nun raten wir mal, was diesmal passieren wird.

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Wozu braucht eigentlich die Bundeswehr…?

30.6.2009

Wozu braucht eigentlich die Bundeswehr einen BMW Z5? Da in der Nähe unserer Wohnung eine Standortverwaltung liegt, sehe ich häufiger deren Fahrzeuge in unserer Straße (ich erwähne das nur deshalb, weil es eine Anliegerstraße ist…), so eben auch insbesondere einen silberfarbenen BMW Z5, komplett mit Eisernem Kreuz und Y-Kennzeichen.

BMW Z5

BMW Z5 (Symbolfoto)

Und ich frage mich schon, wie kann das angehen? Wie kann es sein, daß aus unseren Steuergeldern eine automobile Penisverlängerung finanziert wird, während unsere Soldaten in Afghanistan in persönlicher Lebensgefahr schweben, weil sich für ihre Ausrüstung in demselben Geldertopf nur unzureichende Mittel finden?


Unzufriedenheitsweltmeister

27.2.2009

Gerade schaue ich mir die aktuelle Infratest-Dimap-Umfrage der Tagesschau an. Sie enthält für mich verblüffende Fragen (wenn auch vorhersehbare Antworten). „Sind Sie zufrieden mit der Arbeit von Merkel, Stein-A und Stein-B, Müntefering?“ geht ja noch, verblüffend nur, daß Merkel und Peer, die beiden, die unsere Konjunktur am Reparieren sind, an Beliebtheit zulegen, obwohl gleichzeitig ihre Maßnahmen von denselben Befragten als nicht die richtigen bewertet werden („Konjunkturpaket ist kein wirksames Mittel“ 60%, „Bundesregierung hat den Überblick verloren“ 52%).

Es geht aber weiter: „Sind Sie zufrieden mit der Arbeit von Barack Obama?“ – Na klar, der Mann ist erst ein paar Tage im Amt, und schon soll man sich darüber ein Urteil bilden können? Vor allem aber geht es hier los mit der Gegenfrage: Wieso haben wir das zu beurteilen? Bin ich vielleicht noch im weitesten Sinne der Personalchef von Angela Merkel, denn ich bin ja ihr Souverän, so habe ich doch mit dem Präsidenten der USA nichts zu tun!

Dazu paßt der nächste wie die Faust aufs Auge: „Sind Sie zufrieden mit der Arbeit des Papstes?“ – Bin ich was? Bin ich wer? Gott? Denn der ist ja wohl dessen Zufriedenheitsverantwortlicher, nicht ich, das hier repräsentativ befragte deutsche Volk, zur Hälfte nicht einmal katholisch.

Dann wirft man uns vor, zu allem eine Meinung und von nichts eine Ahnung zu haben, aber was bleibt uns bei solchen Multiple-Choice-Befragungen denn übrig? Wer so suggestiv fragt, kriegt eben eine dumme Antwort…


Familienminister ohne Fortune: Laschet und die Doppelnamen

7.1.2008

Die politische Debatte um Erziehungscamps (die selbst auf höchster Ebene nicht Lager heißen dürfen, weil das Wort zum belasteten Vokabular gehört) verdiente bereits den gern verwendeten Namen „ein Stück aus dem Tollhaus“, bevor sich der glücklose NRW-Familienminister Laschet den jüngsten Schnitzer leistete: Wohl damit beschäftigt, sich darauf zu konzentrieren, seine Kollegin Roswitha Müller-Piepenkötter im täglichen Umgang nicht versehentlich mit Heidemarie Wieczorek-Zeul anzureden, verwechselte der den vollmundig angekündigten ersten Standort eines solchen Lagers, Bedburg-Hau, mit Neukirchen-Vluyn. Dessen Bürgermeister reagierte prompt angepißt, man hätte ihn ja zumindest mal vorab informieren können, das Chaos war komplett.

Wir hätten da noch ein paar Einblicke in die hiesige Landkarte anzubieten: Kamp-Lintfort zum Beispiel, Heeren-Werve oder Hagen-Spielbrink-Büdding (sic) liegen alle im Regierungsgebiet des armen Armin. Es wird noch schwer werden für ihn.


nach „tschö Eva“ jetzt „tschö Manes“

22.9.2007

Immer wieder überraschend kommt es für mich, daß es für manche Person des öffentlichen Lebens immer wieder überraschend kommt, daß Nazivokabular regelmäßig mit öffentlicher Ächtung abgestraft wird. Innert allerkürzester Zeit hatten wir jetzt Eva Herman, Kardinal Meisner und jetzt den Düsseldorfer Kabarettisten, Wirt und (Ex)-Radiomoderator Manes Meckenstock.

Dabei ist es, wie in jedem der Vorgängerfälle, egal, was man über das Gesagte denkt, egal ob die Familienwerte in den 1930ern auch ohne Nazis noch besser waren als heute, egal, ob man des Kardinals Meinung über Kultur (oder Domfenster) teilt und es ist sicher egal, wenn man keine Sympathie für die Moderatorin Gülcan und ihre öffentlich breitgetretene Hochzeit, zu der nicht einmal Schwiegervater Kamps kommen wollte, hegt. Es geht allein darum, daß es nicht klug ist, bestimmte Worte wieder aufzugreifen, und daß das eigentlich einfach jeder weiß. Komisch, daß es einige trotzdem nicht lernen.


Freiherr fhrt ein!

13.9.2007

Zuerst die schlechte Nachricht: Das Urteil gegen Abmahnpapst Gnter „Tanja“ Freiherr v. Gravenreuth wegen Betrugs zum Nachteil der „taz“ ber ein halbes Jahr Bau ohne Bewhrung ist noch nicht rechtskrftig, und der findige Anwalt, mag er sich auch besser im Zivilrecht auskennen, wird sicher alles tun, das Verfahren durch alle Instanzen zu schleppen, um seinen Pelz vielleicht doch noch zu retten. Aber die gute: in selten klaren Worten hat die Richterin Tacheles gesprochen, die Allgemeinheit msse vor dem Freiherrn, der bereits wegen 60facher Urkundenflschung verurteilt sei, geschtzt werden. Und zumindest dem juristischen Laien erscheint die Geschichte um die Pfndung der Domain, obwohl die „taz“ die geschuldete Zahlung bereits geleistet hatte, eine eindeutige. Das Ende des Hauptverfahrens wird entspannt abgewartet.


Geschichten, die das Leben der DB AG schrieb…

24.4.2006

Gar nicht schn die Geschichte der telefonischen Sitzplatzreservierung, bei der ich als Familienreservierung mit zwei kleinen Kindern vier zusammenhngende Pltze bestellte. Ich erhielt vier Pltze in zwei Sitzreihen, jeweils links und rechts des Ganges. Keine zwei Pltze waren zusammenhngend. So macht es Spa, ein quengelndes Kind zu betreuen, und auch die einzelnen Reisenden, die jeweils direkt neben diesen sitzen, sind dankbar. Fr diese wertlose Leistung haben bezahlt: die Familie 6 Euro, und die zwei Einzelreisenden je 3 Euro.

Oder z. B. die des Fahrradwagens am Anfang des Zuges, dessen Verbindungstr sich nicht schlieen lt, weil sie dienstlich arretiert ist. Die Hydraulik, die das nicht wei, versucht im Sekundentakt, die Tr zu schlieen, sie klingt wie eine Dampflok. Der Fahrgast hatte das auf der Hinreise auch schon und vermutet, da er im selben Zug sitzt. Doch der Wagenstandsanzeigemonitor funktioniert, das kann also nicht sein.

Dann noch die des mobilen Kaffeeverkufers, der den Becher nur zu zwei Dritteln fllt. Gebeten, ihn ganz zu fllen, erklrt er, durchaus freundlich, er werde jetzt mal eine Geschichte erzhlen: Am Ende seiner Tour msse er den nicht verkauften Kaffee in einen Mebecher schtten, und aus dieser Differenz werde ermittelt, wieviel Kaffee er wohl verkauft habe und ihm dies abgezogen. Und es stnde ja auch nur an seinem Wagen, da man „einen groen Becher Kaffee“ erhalte, der Eichstrich sei nur fr andere Getrnke. Ich antwortete ihm, es sei mir egal, ob nicht er mich, sondern nur sein Chef jeden Kunden betrgen wolle, aber ich htte gerne „einen groen Becher voll Kaffee“ fr mein Geld. Fr dieses erkmpfte Heigetrnk wurde bezahlt: 2,60 Euro.