Zuviel der Dekadenz


Gleich zweimal begegnete mir in den letzten Tagen der Einwurf von Politikern aus der Rathausriege, ein Vorschlag sei „dekadent“. Beim ersten Mal ging es um die Straßenbeluchtung eines Hundeauslaufplatzes, beim zweiten um Luxusstellplätze in einer Quartiersgarage.

Der Hundeauslaufplatz sei der beliebteste der Stadt, und werde von Hundebesitzern frequentiert, die auch nach Einbruch der Dunkelheit Gassi gingen, und auch die hätten ein Sicherheitsbedürfnis, hieß es zur Begründung, warum eine Beleuchtung dieses Platzes nötig und angemessen sei. Einwurf der Gegenmeinung, „Straßenbeleuchtung für Hunde“ sei „dekadent“. Und die extrabreiten, bewachten Quartiersgaragenstellplätze zu 420 €/Monat fänden gute Abnahme. – „Dekadent“.

Nun ist Dekadenz so eine Worthülse, eines der weniger nützlichen Werkzeuge aus dem Werkzeugkasten der guten alten Tante SPD, sie ist den Grundsätzen des Marktes zuwider, alles, für das sich eine Nachfrage findet (im Rahmen der Gesetzeslage), auch anzubieten, und ihr Einfluß auf einen behaupteten Niedergang unserer Gesellschaft liegt definitiv im Auge des Betrachters.

(C) Fritz-Ulrich Siewert, FlickrIch fühlte mich da vielmehr spontan bemüßigt darauf hinzuweisen, daß sowohl die Hunde als auch ihre Besitzer Steuerzahler sind, daß sie sich an speziell diesen Orten nur aufhalten, weil man ihnen den Auslauf anderswo verboten hat, daß es sich damit um den ihnen zugewiesenen öffentlichen Raum handelt, und warum dann bitteschön die öffentliche Hand gerade hier nicht die Aufgabe haben solle, diesen öffentlichen Raum auch zu beleuchten. Des weiteren war ich sofort bereit, ein kleines Denkmodell zu kreieren, das vielleicht einen ökologischen Nutzen stiften könnte, ohne den eigentlichen Nutzen allzu stark einzuschränken: nämlich eine druckknopfgesteuerte Bedarfsbeleuchtung. Der umzäunte Platz lädt gerade dazu ein, an seinem Eingang einen normalen Ampelknopf anzubringen, der dann für, sagen wir, zehn Minuten bis eine Viertelstunde Licht bringt. Damit ist gewährleistet, daß das Licht nicht den an einem regnerischen Abend menschenleeren Platz zum Spaß beleuchtet, die Anschaffungskosten bleiben zwar, erhöhen sich aber immerhin auch so gut wie nicht, und die laufenden Kosten dürften signifikant sinken.

Und spätestens der Luxusparkplatz ist nun wirklich ein ganz klarer Fall von Angebot-und-Nachfrage: wird er angenommen, und zahlt sein Nutzer den angemessenen, kostendeckenden Preis, dann warum bitteschön nicht?

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