Probefahrt mit dem Dacia Logan


„Kann das denn ein ernstzunehmendes Auto sein?“ Diese Frage stellte ich mir, als der Rumäne Dacia in diesen Tagen seinen zusammen mit Renault für den deutschen Markt fit gemachten Logan vorstellte, einen Kombi, der zum Kampfpreis ab 8.400 € zu haben ist.

Ich entschied mich also für eine Probefahrt. Immerhin erfüllt das Ding die an eine Familienkutsche gestellten Kriterien: Kombi mit großer Rückbank (2 Kindersitze) und riesigem Kofferraum.

Schon vor der Probefahrt wurde deutlich, daß der Schnäppchenpreis eine Werbenummer ist, denn für unter zehntausend Euro ist der Wagen wirklich nackig. In dieser Ausstattungsform gehört nicht einmal die Kofferraum-Innenverkleidung dazu. Will man gar den Diesel, ist man gleich bei elf- bis zwölftausend Euronen, die über den Ladentisch springen, mit ein paar Extras werden es vierzehn.

Dafür erhält man aber ein „richtiges“ Auto, wovon ich mich überzeugen konnte: Auf den ersten Blick sieht der Logan genau so aus, wie man das von irgendeinem Kombi erwarten würde. Die asymmetrisch geteilte Hecktür statt der üblichen Klappe erlaubt sogar ein kopfstoßfreies Beladen. Der Kofferraum ist riesig (700 bis 2.300 l), ein anderes Wort fällt mir nicht ein. Tests mit dem Vorgabegepäck (ein Fahrradanhänger plus zwei große Reisetaschen sowie Kleinzeug) erübrigten sich, denn es war durch Augenschein klar, daß er sie locker bestehen würde. Die Rückbank, die einfach und drittelgeteilt umzulegen ist, ist breit genug, daß ein Erwachsener zwischen den Kindersitzen Platz findet, an Komfort erinnert sie allerdings eher an alte Käferzeiten.

Vorn erwarten die Eltern zwei anständige Sitze, den Fahrer anständige Kontrollen (lediglich zur Steuerung der Heizung muß der Arm recht weit hinuntergreifen). ABS und Fahrer- und abschaltbarer Beifahrerairbag sorgen für Standardsicherheit, Seitenairbags sind Extra, drei von fünf Sternen beim Euro/NCAP Crashtest sind eher mäßig.

Die Fahrt beginnt. Erfreut bemerkt der Fahrer eine exakte Schaltung, die Kupplung kommt erst auf dem letzten Zentimeter. Nach ein paar hundert Metern im fließenden Verkehr findet man eigentlich schon, in einem Auto wie jedem anderen zu sitzen. Auf der Autobahn beschleunigen die 87 PS etwas schleppend, man mag nicht an die 75-PS-Basisausrüstung denken. Dann ist man aber doch ohne großes Murren bei Reisegeschwindigkeiten von 140, 150 km/h. Bergab und mit Rückenwind klappen 170. Dann dröhnt das Triebwerk ziemlich, und die Lenkung beginnt etwas zu schwimmen. Der Rest des Wagens hält aber wacker mit. Die subjektive Wahrnehmung ist deutlich nicht, daß die Schutzengel ins Schwitzen geraten. Der Verbrauch soll nach Herstellerangaben erfreulich akzeptabel sein.

Im Fazit bin ich nicht sicher, ob der Logan das Auto ist, das ich auch noch kaufen würde, wenn ich im Lotto gewönne, aber ich konnte mich zumindest überzeugen, daß er ein „richtiges“ Auto ist, und kein Ostblockwitz. Den Rest wird der Markt regeln, und mit seinem Preis ist er für diesen gut gerüstet.

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