„…Sie sollten sich mal rasieren“ – wie ein Witz scheint zu beginnen, was Ministerprsident Beck sich die Tage gegenber einem ihm ungepflegt erscheinenden Arbeitslosen herausgenommen hat.

Viel Emprung hat es ihm eingebracht, und ich denke, nicht zu unrecht, denn er hat sich da eine rechte Taktlosigkeit geleistet. Trotzdem der Reihe nach: Anscheinend war der SPD-Ministerprsident von Rheinland-Pfalz auf Hndeschtteltour, Politikeralltag also, als ein von Hartz IV Betroffener seiner Betroffenheit Luft machte. Angetrunken sei er gewesen, und gepbelt habe er, berichten Zeugen, und bestreitet Henrico F. auch nicht. Politikeralltag also.

Beck reagierte aber uncool, er beschied dem Mann, mit Rasur und Waschung sei ihm innert drei Wochen ein Job sicher. Wir wissen nicht, ob der Ministerprsident des Bundeslands mit der drittniedrigsten Arbeitslosenquote, der Arbeitslose womglich nur aus den „Informationen zur politischen Bildung“ kennt, der richtige Ratgeber fr die Arbeitsplatzsuche ist (Becks eigener Weg vom Elektriker zum Politiker ist nicht unbedingt reproduzierbar). Wir knnen uns nicht ganz verkneifen, da er nicht ganz wie der optimale Ratgeber in Bartfragen aussieht. F. jedenfalls war cooler, wandte sich an die Presse, rasierte sich publikumswirksam und trat – nur etwas rothutig – bei Beck an, um den versprochenen Job einzufordern. Wir beobachten jetzt mal drei Wochen lang die Lage.

Zwischenzeitlich hat Beck (oder sein Spin Doctor) die Ereignisse an die Berichterstattung angepat. Die neue Lesart: Nicht speziell der F. habe sich waschen sollen, sondern alle knapp vier Millionen Arbeitslose sollten es tun. Offen bleibt, ob sie dann alle in drei Wochen einen Job htten, und Beck so zum Volkshelden wrde.

Aber, Satire beiseite: Mit einem Teil seiner Aussage hat Beck recht, gerade weil er mit dem anderen irrt: Gerade weil die vier Millionen Arbeitslose nicht allesamt Arbeitsunwillige sein knnen, die sofort eingestellt wrden, wenn sie sich nur ein bichen Mhe gben, ist es wichtig, da sie ihre Arbeitslosigkeit nicht als Manko begreifen, und ihr Selbstwertgefhl nicht verlieren. Und das hat eben auch mit den uerlichkeiten zu tun, sich nicht gehen zu lassen – wenn auch sicher nicht mit dem Detail der tglichen Rasur, zu der ich als (arbeitender) Familienvater oft auch nicht komme.

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