Greenberg – Kindesmihandlung?


Innerhalb weniger Tage ist der Name der Fotografin Jill Greenberg ein reines Schlagwort geworden. Mit ihrer Fotoserie, die die politische Aussage des Gefhls der Machtlosigkeit verdeutlichen sollte und sich dabei weinender Kleinkinder bediente, hat sich die Amerikanerin ungewollt als Rabenmutter, wenn nicht gar Kinderschnderin einen Namen gemacht.

Ihr „Trick“: Sie brachte Dreijhrige zum Weinen, indem sie ihnen einen Lutscher gab, und ihn gleich darauf wieder wegnahm. Als sie sich mit massiven Vorwrfen konfrontiert sah, verteidigte sie sich: den Kindern sei nicht geschadet worden, sogar ihre eigene Tochter habe sie so fotografiert.

Selbst Vater zweier kleiner Kinder, wei ich, da diese oft Grund zu haltlosem Weinen finden, auch in Nichtigkeiten. Es braucht einfach nicht viel. Psychologen sind sich auch einig, da die Kinder davon keinen bleibenden Schaden davontragen (ihr Langzeitgedchtnis ist noch gar nicht vollstndig ausgebildet, so da sie gar keine Erinnerung daran aufbauen knnen).

Trotzdem finde ich dieses Vorgehen inaktzeptabel. Ein Kind zu qulen, wenn auch nur im Kleinen, ist eine Kindesmihandlung, nicht mehr und nicht minder, als wenn man es sexuell mihandeln wrde. Und das bloe Argument, es hinterliee keinen bliebenden Schaden, ist allenfalls zynisch. Es erinnert mich an Klassenkameraden, die Insekten die Flgel ausrissen mit dem Argument, diese sprten ja mangels Nervensystems keinen Schmerz.

Advertisements

3 Responses to Greenberg – Kindesmihandlung?

  1. torschtl sagt:

    naja, ich hab damals auch davon gehrt und hier von Misshandlung zu sprechen ist, meiner Meinung nach, viel zu berzogen. Mein Cousin hat selber 2 Kleinkinder und die schreien und weinen schon, wenn sie stolpern. Also kann ich deine Ansicht nicht ganz teilen… wre ja dann auch – laut deiner Aussage – Kindesmisshandlung, wenn du Kindern eine Sigkeit verweigerst.

  2. diogenes sagt:

    Torschtl, jein. Also, nein. Nur weil kleine Kinder oft weinen (schrieb ich ja selbst), heit das nicht, da jedes zum-Weinen-Bringen Kindesmihandlung ist. Wenn ich meinem Kind etwas zu seinem Besten verweigere (passiert natrlich tglich: „Nein, du darfst hier im dritten Stock nicht im offenen Fenster turnen…“), mag die Einsicht auch fehlen. Aber jedes bewut in Kauf genommene Weinen ist eines zuviel.

  3. benedikt2006 sagt:

    Ich find es echt tzend, wie verkrzt in den Medien die ganze Diskussion zum Teil dargestellt wird. Wer sich die Mhe machen wrde, ein bisschen im Internet zu recherchieren, der kommt von selber drauf, dass diese Frau an einem schweren Burnout-Syndrom leidet und innerlich so zerrissen ist, dass sie keinen Satz von sich geben kann ohne sich selbst zu widersprechen.
    „Heulsusen“, das Interview in „American photo“
    – Ihre Bilder haben fr einigen Aufruhr gesorgt. Was sagen sie zu
    den Leuten, die Ihnen Kindesmissbrauch vorwerfen?
    – Ich glaube, die sind verrckt. Ich kenne den Kommentar, von
    dem sie sprechen. Ich wei nicht, was der Typ fr persnliche
    Probleme hat. Ich glaube nicht, dass er Kinder hat. Ich habe eine
    2 1/2jhrige Tochter, und die heult ohne Grund, hundertmal am
    Tag. Das ist normal. Es gehrt vielleicht nicht gerade zum
    Nettesten, Kinder zum Weinen zu bringen, aber ich habe
    niemandem einen dauerhaften psychischen Schaden zugefgt.
    – Wieviele Kinder haben sie insgesamt fotografiert?
    – Um die 35. Einige waren Kinder von Freunden, plus meiner
    eigenen Tochter, andere kamen von der Ford- oder Jet Set-
    Modelagentur. Kinder-Models sind nicht teuer, nicht so teuer
    wie Affen zum Beispiel
    – Wie haben sie die Kinder zum Heulen gebracht?
    – Meistens haben wir ihnen was gegeben, einen Lutscher, und
    ihn dann weggenommen. Einige haben ohne Grund geheult –
    meine Tochter tat das; sie wollte nicht auf der Apfelkiste
    stehen, die ich als Podest benutzte, weil die ein bisschen
    wackelig war. Einige haben berhaupt nicht geweint. Bei allen
    Kindern habe ich sehr schnell gearbeitet. Wir wollten um die 12
    fr einen Tag buchen, und schauen, wen wir zum Heulen
    bringen knnen. Am Ende des Tages war ich nicht
    bei guter Laune. Ich mag es nicht, kleine Kinder zum Heulen zu
    bringen.
    – Die Beleuchtung ist sehr dramatisch. Wie haben sie das
    erreicht?
    – Es ist die gleiche Beleuchtung, die ich fr meine Affenportraits
    benutzt habe…
    – Wie kamen sie auf die Idee fr dieses Projekt?
    – Ich sah dieses kleine Mdchen, die mit ihrer Mutter auf eine
    Party kam, und sie war wunderhbsch, also habe ich gedacht,
    es wre interessant sie zu fotografieren. Als sie in mein Atelier
    kamen. brachte die Mutter ihren Sohn mit, noch ein Kleinkind, und
    ich entschloss mich ihn auch zu fotografieren.
    Wir haben sein Hemd ausgezogen, weil es schmutzig war. Er
    fing von selbst an zu schreien, und ich hab das fotografiert, und
    als ich die Abzge bekam, dachte ich: der Untertitel knnte
    lauten „Noch mal vier Jahre“, so als ob er ber die Wiederwahl
    von George Bush entsetzt wre. Die Bilder haben eine wirkliche
    Kraft – sie gehen direkt unter die Haut. Das Gefhl, das du
    siehst, ist so zwingend, und zur gleichen Zeit sind sie
    wunderschn. Das war eines der Dinge, das an mich an dem
    Projekt interessierte – die Strke und die Schnheit der Bilder als
    Bilder. Ich dachte auch, sie beinhalten eine politische Aussage
    ber die derzeitige Zukunftsangst vieler Leute in diesem Land.
    So wie die Dinge laufen, fhl ich mich manchmal zum Heulen
    http://www.popphoto.com/inamericanphotomagazine/2552/cry-babies.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: