Dnemark ist ein sehr sauberes Land. Es war auch lange Zeit, nein, ist eigentlich noch immer, ein sehr einladendes Land. Schlielich ist es ein sehr kleines Land. Wenn ein kleines, sauberes Land einldt, passiert ihm nach einer Weile, wovon sich in Europa inzwischen fast jedes Land bedroht whnt: berfremdung. Wenn ein Land sich berfremdet whnt, passiert ihm nach einer Weile etwas politisch Bedauerliches: Es lehnt sich sehr weit nach rechts.

Die „Jyllands Posten„, eine eher unbedeutende Zeitung der Art, wie man sie im Englischen gern mit „tabloid press“ bezeichnet, lehnt ebenfalls sehr weit nach rechts. Und sie hatte eine ziemlich blde Idee: Sie rief Karikaturisten zu einem Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb auf. Jawohl, Mohammed wie in „Allah ist gro, und Mohammed ist sein Prophet“.

Das war im letzten September. Zwlf Karikaturisten folgen dem Aufruf. Sie hatten, wie sie heute sagen, sofort ein mulmiges Gefhl. „Warum habt ihr’s dann getan?“ mchte man ihnen zurufen. Sie lieferten Zeichnungen ab, wenige gut, einige leidlich, etliche schlecht, einige politisch, wenige brisant, nur: Sie alle zeigten Mohammed. Der Jyllands Posten war ein mulmiges Gefhl fremd, sie druckte sie.

„Wir Dnen mgen es nicht besonders, wenn man unsere Flaggen verbrennt“, sagte mir gestern ein guter, dnischer Freund. Genau das passiert nmlich im Augenblick: In der gesamten islamischen Welt, nicht nur den „islamistisch“ geschimpften „Schurkenstaaten“, sondern auch in den gemigten Bereichen, bricht eine Woge des Zorns gegen die Dnen los, und gegen die Deutschen, Franzosen, und wer sich noch mit den Dnen solidarisch erklrt, gleich mit. (Warum diese Woge des Zorns ein gutes Vierteljahr spter losbricht, habe ich noch nicht begriffen. Vielleicht mute man im ganzen arabischen Raum erst dnisch lernen…)

Die westliche Welt sagt vorn heraus „Pressefreiheit“ und versteht hinten herum sowieso nicht, wieso man sich so aufregen kann wegen ein paar Karikaturen, auch wenn diese, zugegeben, vielleicht keine gute Idee waren. Die islamische Welt sagt, nein schreit, Mord und Totschlag. Sie hat gleich drei Probleme: Sie hat mit Pressefreiheit nicht viel Erfahrung, sie kennt sich mit Karikaturen nicht gut aus, und der Koran verbietet es von vornherein, den Propheten berhaupt abzubilden. Deswegen fllt es ihr schwer, angemessen zu reagieren, wenn einige Politiker, allen voran der ultrarechte dnische Staatschef Anders Fogh, ihnen im wesentlichen „entspann‘ dich!“ zurufen.

Wir stehen am Rande des Spielfelds, in einem Stadtteil, der oft scherzend „Ankarath“ gerufen wird, und fragen uns, ob der Kampf der Kulturen womglich noch bis zu uns rollen wird, zu unseren Dnerbuden und trkischen Gemsemrkten, zur Moschee am nchsten S-Bahnhof, ob er hier das berrollen wird, was in Generationen aufgebaut wurde, ob die trkischen Mtter, die ihre Kinder in unseren evangelischen Kindergarten bringen, demnchst „Nieder mit den Unglubigen“ skandieren werden.

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