Italienische Wochen


Die Wurstverkuferin unseres Vertrauens hatte bisher ein recht entspanntes Leben: „Eine Lage Bratkasseler. Hundert Gramm von der franzsischen Ringsalami. Ein Stck Pommersche grob. Nein, nicht ganz so viel. Ja so, danke. Hundert Gramm Bierschinken.“ Seit einiger Zeit kriegte man dann auch schon mal „Hundertfnfzig Gramm italienische Mortadella. Ja, schn dnn geschnitten.“

Das war nicht immer so gewesen, aber Arcangelo, der sich mit einem italienischen Feinkostgeschft versucht hatte, hatte nach zwei Jahren wieder aufgegeben. Und so war es wieder vorbei mit all den leckeren italienischen Produkten aus seiner Salumeria.

Jetzt aber wurde es fr die Wurstverkuferin unseres Vertrauens ernst: Italienische Wochen waren angekndigt. Ein groes Plakat prangte ber ihrem Haupt. Und wir schwelgten: „Zweihundert Gramm Porchetta bitte. Por-chet-ta. Das ist die da rechts neben… ja, genau die. Hundert Gramm Finocchiona. Fi-noc- naja, PLU-Nummer 27, steht da. Und Parmaschinken. Nein, nicht Pommersche. Parmaschinken.“ Der Genu war verhagelt, es stand auf Messers Schneide, wer verzweifelter war, Kunde oder Verkuferin.

Trotz ihres passiven Widerstands schienen die Kunden zufrieden. Nach vier Tagen war keine Porchetta mehr da (und es wurde auch keine nachgeliefert), nach einer Woche kein Parma und keine Salami. Doch als ich den Abteilungsleiter fragte, ob er ein paar der Produkte in sein Dauersortiment bernehmen wolle, hie es „nein, das kann ich hier im Stadtteil nicht machen. Das nehmen die Leute nicht an.“ Tja. Traurig wenden wir uns ab.

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