Vor mir liegt ein roter Apfel. Er sieht lecker aus. Es ist ein „Kiwi Crunch“, ein Braeburn aus Neuseeland. Gleich werde ich hineinbeien.

Als ich den roten Apfel erhielt, war er in ein geknlltes Papier eingewickelt. Frau Pantel hielt ihn mir entgegen, und es sah aus, als wolle sie bei mir ihr nicht lnger gebrauchtes Butterbrotpapier entsorgen. Passen wrde es – ich trug mein T-Shirt mit einer evangelischen Losung, und die evangelische Kirche des Stadtteils ist bei Frau Pantel nicht so wohlgelitten. Wegen des Diakoniewohnheims.

Frau Pantel wollte aber nicht ihr Butterbrotpapier entsorgen. Sie wollte Wachstum und Arbeitspltze. Vermutlich in Deutschand, trotzdem gab es neuseelndische pfel. Aber Frau Pantel stellt auch nur das unterste Ende einer Hackordnung dar. Auf dem Butterbrotpapier steht „Hildegard Mller“. Es ist Huserkampf. Es ist der letzte Tag vor der Wahl. Frau Pantel kennt nicht jeder, sie ist hier Ratsherrin, und ich kann sie morgen nicht whlen. Angela Merkel, die kennt jeder. Die kann ich morgen auch nicht whlen. Hildegard Mller, die kenne ich berhaupt nicht, die war auch heute nicht im Stadtteil, aber deren Name wird morgen auf dem Zettel stehen, direkt unter Michael Mller. Erst ab Platz 3 werden dann Leute stehen, die nicht Mller heien.

Michael oder Hildegard, er oder sie, das wird also morgen die Frage sein. Abgeordnete, die ich direkt whle, sie nach Berlin entsende, und die dort nur ihrem Gewissen verpflichtet sind. Vor diesem lngst verblaten Hintergrund ist es verstndlich, was derzeit in Dresden passiert: da der Tod eines Kandidaten bedeutet, da die Wahl nachgeholt werden mu. Aber die meisten wissen wohl nicht mehr, was sie morgen whlen.

Michael Mller war heute brigens auch nicht im Stadtteil, auf der anderen Straenseite stand Herr Freitag. Von ihm htte ich eine rote Rose erhalten, aber ich wollte sie lieber auf dem Rckweg nach dem Einkauf abholen. Da aber war seine Partei schon wieder weg. So als htte sie den Huserkampf, und damit die Bundestagswahl, schon verloren gegeben.

Aber Lisa, die nicht wahlberechtigt ist, hat von beiden Luftballons erhalten. Sie hat sich ber beide gleich gefreut. Dann gab es noch einen dritten, der war vom Modemarkt an der Ecke. ber den hat sie sich genauso gefreut.

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