H. geht


Die Rheinische Post vom Freitag bringt uns Die Gute Nachricht, diesmal nicht aus dem Neuen Testament: Der Rather Modeunternehmer Manfred H. hat sich zum Aufgeben entschlossen, ohne dafr das Verleben seines hundertjhrigen Unternehmensjubilums abzuwarten.

H.’s ist nicht nur ein Modehaus, das seit ca. 30 Jahren einen Zeitenwandel verschlafen hat, es war in letzter Zeit auch der Hauptaushang fr die Rather Wandzeitung, die Protestmeldungen der Brgerinitiative, die behauptet, fr soziale Ausgewogenheit zu sein (jngster Slogan: „Der Hlsmeyerplatz mu sauber bleiben!“ – der Meinung bin ich auch, leider demonstrieren die initiativen Brger dort jeden Donnerstag…). Manfred H. ist eine treibende Kraft hinter der Protestbewegung gegen das Wohnheim der Diakonie, und als direkter Nachbar einer, der seine persnlichen Interessen nie glaubhaft hinter behauptetem Gemeinsinn verbergen konnte.

In seinem Abschiedsartikel in der Zeitung verbreitet H. zum hoffentlich letzten Mal Lustiges: So habe ihn die soziale Schieflage im Stadtteil mit sinkender Kaufkraft zum Aufgeben gezwungen – nicht etwa die Tatsache, da er es versumt hat, sein Sortiment auf diese Lage einzustellen. Die zunehmende Filialisierung sei schuld – deswegen hat er als Nachfolger auch eine Filiale in sein Haus genommen. Die letzten Kaufkrftigen wanderten ab – wie z. B. die Familie H., die schon vor Jahren nach Kaiserswerth gezogen ist…

Womit ich in meiner Verrgerung ber die menschenverachtende Ablehnung egoistischer Brger nicht vllig aus dem Auge lassen will, da Manfred H. mit seinen Aussagen nicht vllig unrecht hat: Der Trend der Stadtentwicklung, gesunde Einzelhandelsmischlagen zu textilisieren, zu filialisieren und zu banalisieren, ist sicher kein glcklicher. Eine ganze Generation von Einzelhndlern hat es nicht geschafft, den groen Einkaufszentren, Warenhusern und Grne-Wiese-Gromrkten etwas entgegenzusetzen, und eine Generation von Kunden ist darber herangewachsen – zu der ich mich zhle -, der es gar nicht mehr einfiele, nach einem Fernseher bei Radio Meyer oder nach einer Hose bei Moden Schulze zu suchen. Wenn ich konsumbereit bin, fahre ich „in die Stadt“, lande bei Saturn oder Peek & Cloppenburg, weil ich dort ein breites Sortiment und gnstige Preise erwarte – und rgere mich regelmig ber schlechte Beratung und unfreundliches Personal.

Lsungen? Ich habe auch keine.

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