Vernichtung der Vervielfältigungsvorrichtungen


Manchmal liest man ja so Zeugs. Über irgendwelche Links empfahl mir ein Anwalt die Lektüre seines Impressums, und da blieb mein Blick hängen: Ver… Ferfielvältigungs… ver… verdammt. WAS? Vernichtung der Vervielfältigungsvorrichtungen? Also, es geht um die drakonischen Strafen, die die Inquisition – Verzeihung, der Deutsche Anwaltverein, bei Urheberrechtsverletzungen androht. Ein heikles Thema, womöglich hebt man schon eine verletzte Uhr, wenn man dieses lange Wortungetüm zitiert.

Das gibt es nämlich nicht nur einmal. Fragt Google. 415 Fundstellen. Alles Impressen. Von der Katzenboutique über Anwälte, Anwälte und nochmals Anwälte bis zur T-Online-Homepage. Einige können nicht einmal „Copyright“ buchstabieren. Alle annähernd wortgleich. Deutsches und österreiches Zivilrecht scheinen sich dabei merkwürdig einig.

Weiß einer der 415, was er da schreibt? Weiß einer, worauf er sich da bezieht? Leider weiß Google ja nicht, wer von wem abschreibt. Aber ich konnte keine Fundstelle finden, die wie ein Gesetzestext oder ein zitiertes Urteil aussieht. Ich kann mir auch keine vorstellen. Das deutsche Recht, soweit ich es laienhaft kenne, vernichtet nicht gern. Nicht einmal Vervielfältigungsvorrichtungen. Zudem, worum handelt es sich dabei wohl?

Exkurs: Jesus und die wundersame Vernichtung der Vervielfältigungsvorrichtungen

Wir erinnern uns an das bekannte Gleichnis der Speisung der Viertausend (Markus 8, 1-9): Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? Und er fragte sie: Wieviel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen. Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. Und es waren etwa viertausend; und er ließ sie gehen. Unweigerlich stellen wir uns vor, wie in der Sache „Bundesrepubliken Deutschland und Österreich gegen Jesus Christus“ wg. Speisung einer ungerechtfertigt hohen Zahl von Gläubigen und vermuteter Verletzung der Urheberrechte der Fischer und Bäcker folgendes Urteil ergeht: Es wird die Vernichtung der Vervielfältigungsvorrichtungen angeordnet. Gegen das Urteil ist Berufung zulässig.

Ernsthaft, Beschlagnahme würde ich ja einsehen, das wäre ein üblicher Rechtsakt. Aber Vernichtung? Und, worum geht es hier überhaupt? Früher wäre eine Vervielfältigungsvorrichtung z. B. eine Druckmaschine gewesen, nicht ganz so viel früher eine DVD-Preß-Anlage. Bei falschem Zitieren in diesem Blog wäre die Vervielfältigungsvorrichtung der Webserver von www.funpic.de, der dieses Blog hostet. Gibt es irgendeinen Grund, ohne Not einen Server zu vernichten? Das ist gute, völlig unschuldige Hardware, die man nach dem Formatieren der Festplatte immer noch bei eBay versteigern könnte, um aus dem Erlös die Anwaltskosten zu bestreiten!

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