Brandstiftung, geistige


Die Auseinandersetzung um das Projekt der Diakonie in Düsseldorf, eine stationäre Einrichtung für chronisch mehrfach beeinträchtigte abhängige Menschen in Rath zu errichten, hat eine neue Qualität erreicht.

Im aktuellen Gemeindebrief der evangelischen Kirchengemeinde Rath nimmt Pfarrer G. in einem „Mein Standpunkt“ betitelten Artikel persönlich Stellung. Seine dort getätigten Äußerungen wecken wohl die Empfindsamkeit der Bürgerinitiative, die sich gegen dieses Projekt formiert hat. Diese schlägt jetzt in einem Zeitungsartikel und in einem Flugblatt zurück, das sie vor der Kirche (vermutlich vor der Epiphaniaskirche, auch wenn Pfarrer G. die Pfarrstelle der Trinitatiskirche innehat) verteilen will.

Ich habe den Artikel von Alfred G. noch einmal kritisch gelesen. Schon beim ersten Lesen war mir aufgefallen, wie emotional aufgeladen er ist – aber das ist inzwischen die gesamte Situation, die beiden Pfarrer können nicht einmal mehr zum Einkaufen auf die Westfalenstraße gehen, ohne in Gespräche verwickelt zu werden. Einige der Formulierungen finde ich unglücklich oder hätte sie in der Härte nicht gewählt, obwohl sie berechtigt sein mögen. Reduziert man den Artikel auf die Fakten, sind alle nachprüfbar oder nachvollziehbar.

Ein paar Auszüge: „Bei der Informationsveranstaltung… sind einige nur gekommen,um ihren Unmut loszuwerden… und versuchen, die Informationen niederzubrüllen.“ – Stimmt, ich war selbst auf dieser Veranstaltung, genau so war es.

„Eine Unterschriftensammlung wird initiiert und mit den Ängsten vor gefährlichen Drogenabhängigen werden viele zur Unterschrift verleitet, die es im Nachhinein bedauern…“ – unsere Pfarrer versichern, daß ihnen dieses Bedauern in zahlreichen Einzelgesprächen ausgedrückt worden ist, und ich habe keinen Grund, ihnen das nicht zu glauben.

„…indem gegen Behinderte (und hinter vorgehaltener Hand auch oft über Ausländer) hergezogen wurde.“ – es ist interessant, daß eine große Zahl von ausländischen Geschäftsleuten selbst Aushänge der Bürgerinitiative verbreiten. Sie glauben diese demnach auf ihrer Seite. Dagegen steht meine Beobachtung einer Demonstration der Bürgerinitiative. Dort war ein zentrales Exponat, auf das ein Herr Christoph N. wiederholt, ausschweifend argumentierend, mit seinem Spazierstock wies, ein „Express“-Artikel mit dem reißerischen Titel „wir bringen deine Tochter um“, in dem es nur gegen Ausländer ging. Zumindest einzelne Mitglieder der Bürgerinitiative denken definitiv so: Zuerst stören sie die Ausländer, und dann das sonstige Pack.

Pfarrer G. konnte weiter nicht darauf verzichten, den Leserbrief zu zitieren, in dem die Bürgerinitiative selbst zugibt, daß man sie nur gegründet habe, um diese Einrichtung der Diakonie zu verhindern, daß ihr Titel „Bürgerinitiative für soziale Ausgewogenheit“ also Makulatur ist – zu recht, wie ich finde. Diese Selbstdarstellung der Bürgerinitiative muß man kennen, um ihre Handlungen und Äußerungen im richtigen Licht zu sehen.

Schließlich wird schon in der Überschrift deutlich, daß es nach Pfarrer G.’s Meinung die Vertreter der Bürgerinitiative selbst sind, die den Stadtteil schlechtreden. Dies hat eine Meinungsführerin der Bürgerinitiative mir gegenüber vehement verneint. Ich lade aber jeden selbst ein, sich eine eigene Meinung zu bilden: „…kann bestätigen, dass die Massierung von Einrichtungen in Rath zu einer erheblichen Belastung geführt hat… Die Situation wird erschwert durch alte und neue soziale Brennpunkte… Ebenso ist zu sehen, dass Rath ein inhomogener Stadtteil mit hohem Ausländeranteil ist.“„Weiter abwärts in Rath?“„Lassen Sie Rath nicht noch weiter absinken.“„Unsere Badewanne in Rath ist voll mit diesen Problemen.“„Rath ist ein Mülleimer geworden, wird langsam zur Bronx“„Hier entsteht eine Atmosphäre, in der ich meine Kinder nicht erziehen möchte.“ – Genug gelesen? Alle diese Sätze stammen von Projektgegnern und Mitgliedern der Bürgerinitiative.

Dagegen ist das Flugblatt, das die Bürgerinitiative vorab veröffentlicht hat, weder einer Entspannung der Situation dienlich noch ein Beispiel für Streitkultur. „Herr G. ist ein geistiger Brandstifter !!!“ ist dort zu lesen, komplett mit Plenken und multiplen Ausrufezeichen. Inhaltlich lasse ich dies unkommentiert.

„Die Bürgerinitiative ist immer sachlich und fachlich aufgetreten.“ – Abgesehen vom etwas verloren wirkenden „fachlichen Auftreten“, an dem ich die Handschrift von Frau Heidemarie Sch. zu erkennen glaube, ist dieser Satz sicher der Schönste überhaupt. Es waren doch die Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative, die den Aushang- und Pressereigen eröffneten mit dem falsch verstandenen wissenschaftlichen Titel CMA, der einfach zum Schlagwort vom „chronisch Mehrfachabhängigen (Drogen, Tabletten, Alkohol usw.)“ umformuliert wurde.

„Die Bürgerinitiative macht sich mehr Gedanken über eine gute Resozialisierung der kranken Menschen als mancher angeblicher (sic) Christ.“ – Diese Bürger jagen doch die betroffenen Menschen von ihrer Tür wie einen Hund, nur verwenden sie statt Steinen die Worte „ihr seid anderswo besser aufgehoben“. Sie machen sich keinen positiv-konstruktiven Gedanken darüber, wo oder wie den Menschen stattdessen geholfen werden soll außer dem, daß es möglichst weit weg sein sollte.

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