„Spam, lovely Spam“ oder Sind wir etwa seriös hier?


Um in den Genuß von DSL zu kommen, begibt man sich in die Hände des ehemaligen Staatsbetriebs, der glaubt, sowohl eine Farbe als auch einen Buchstaben des Alphabets für sich gepachtet zu haben. Nachdem das Unmögliche möglich wurde und man einen Anschluß erhält, geht lange Zeit alles gut.

Inzwischen, in einem anderen Teil des Universums: Spam nimmt allerseits überhand. Es wird immer schwieriger, echte E-Mails zwischen den Blindgängern herauszufischen. Ernsthafte Bemühungen, dieses Problem zu lösen, führen zur Einführung von Filterwerkzeugen (wie z. B. SpamPal) und Blacklisten (wie z. B. SpamCop, SORBS und DSBL). Der Kampf gegen das Böse scheint gewinnbar, das E-Mail-Lesen macht wieder Spaß.

Leider greift jetzt eine neue Angst um sich: Löscht das Filterdingsda etwa auch „gute“ Mails (β-Fehler)? Das wäre fatal, es könnten Kundenmails darunter sein. Und tatsächlich gelingt der Beweis: Es gibt Einzelfälle, in denen gute Mails verlorengehen. Schlimmer noch: Es gibt Einzelfälle, in denen Mails von mir dem Empfänger verlorengehen.

Die Ursachenforschung ist schnell erfolgreich, denn SpamPal dokumentiert seine Aktivitäten. Und, o Wunder, es ist der magentafarbene Riese, der an der Wurzel des Übels liegt: Einige der oben genannten Blacklisten sind ziemlich eifrig, sie listen alles, was ihnen in die Finger kommt. In die Finger kommt ihnen ab und zu auch ein von Trojanern befallener PC, der sich über T-Online einwählt. Und zack! listen sie den entsprechenden Dialin-Server der Telekom. Und von dem verschicke dank dynamischer IP-Vergabe einen Tag später ich meine Mails.

Das ist natürlich Quatsch. Und so weit kann die Telekom auch gar nichts dafür. Es sei auch nicht verschwiegen, daß andere Anbieter (wie z. B. Arcor, Web.de, Wanadoo) unter demselben Problem leiden. Ihr Auftritt käme vielmehr jetzt: Bei der Vielzahl von Vorfällen dieser Art sollte der Telekom als seriösem Unternehmen daran gelegen sein, diesen Irrtum auszuräumen. Denn viele ihrer Kunden, Privatpersonen wie kleine bis mittlere Unternehmen, wähnen sich im Schoße der Seriosität, während in Wirklichkeit ihre ausgehenden E-Mails Eselsmützen aufgesetzt und falsche Bärte angeklebt bekommen.

Leider mußte ich feststellen, daß die Telekom kein besonderes Interesse an der Auflöung des Problems hat. Es scheint dem First Level Support völlig unbekannt, wie die folgenden unsinnigen Antworten zeigen, und es wird auch nicht eskaliert, wie man daran merkt, daß meine letzte Nachricht unbeantwortet blieb.

Beispiele:

1. Antwort aus dem „Serviceportal“

Spam-eMails werden nicht erkannt oder eMails werden fälschlicherweise als Spam deklariert. Die verwendeten Filtermechanismen von Spamschutz Plus arbeiten mit hoher Effizienz und werden durch tägliche Filter-Updates kontinuierlich aktuell gehalten. Das heißt, dass einerseits Spam-eMails zuverlässig erkannt und andererseits die vom Nutzer erwünschten eMails dem Postfach nach wie vor zugestellt werden…

Hier brauchte ich eine Weile um zu erkennen, daß der Supporter meine Nachricht überhaupt nicht verstanden hatte und annahm, sie bezöge sich auf das Filterwerkzeug von T-Online selbst. Meine Anwort war geduldig und erklärend, und ergab folgende Reaktion:

2. Antwort aus dem „Serviceportal“

Bitte wenden Sie sich direkt an den Anbieter der Spamlisten. Wir haben keinen Einfluss auf falsch konfigurierte bzw. fehlerhaft arbeitende Spamfilter anderer Anbieter.

Kürzer und desinteressierter geht’s nimmer. Und stimmen tut’s auch nicht: Die meisten Blacklistenbetreiber akzeptieren Löschungsvorschläge nur vom Serverbetreiber, nicht von Dritten. Und mit einer anderen IP-Adresse, also einen Tag später, bin ich nur ein Dritter. Meine Antwort vereinte die gewohnten Faktoren Geduld und Erklärung und zeitigte das folgende Resultat:

3. Antwort auf „Ihre Anfrage an T-Online International AG“

Der Provider des Empfängers hat IP-Adressen oder Serveradressen der T-Online Mailserver ‚geblacklisted‘, also gesperrt. Bitte wenden Sie sich an den Empfänger-Provider. Dieser muss den Mailserver bzw. die IP des Mailservers freigeben. Wir von T-Online International AG haben keinen Einfluß auf die Server / Spamlisten anderer Dienstanbieter.

Jetzt mußte ich schon kurz schlucken: Dieser Schreiberling hatte ja gar nichts verstanden, nicht einmal, daß es weder um Mailserver ging noch die Sperrung beim Provider des Empfängers erfolgte… Es würde schwierig werden, die erforderliche Erklärung zu liefern und dabei die Geduld zu wahren. Ich versuchte es dennoch. Vielleicht ist es mir nicht ganz gelungen? Jedenfalls warte ich noch immer auf die Antwort.

Wie so oft ist es nicht die Situation selbst, die einen auf die Deutsche Telekom AG und ihre Tochterunternehmen fluchen läßt, sondern die Art, wie damit umgegangen wird. Als das gleiche im letzten Jahr einmal dem Gratismailer GMX passierte, mühte man sich dort redlich, die Sache aus der Welt zu schaffen, wie diese und diese Heise-Meldung zeigen. Dort wurde die Sache zur Chefsache erklärt. Hier wird sie unter den Teppich gekehrt – wenn ich das Problem lange genug ignoriere, geht es vielleicht weg.

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