Zuerst die schlechte Nachricht: Das Urteil gegen Abmahnpapst Günter „Tanja“ Freiherr v. Gravenreuth wegen Betrugs zum Nachteil der „taz“ über ein halbes Jahr Bau ohne Bewährung ist noch nicht rechtskräftig, und der findige Anwalt, mag er sich auch besser im Zivilrecht auskennen, wird sicher alles tun, das Verfahren durch alle Instanzen zu schleppen, um seinen Pelz vielleicht doch noch zu retten. Aber die gute: in selten klaren Worten hat die Richterin Tacheles gesprochen, die Allgemeinheit müsse vor dem Freiherrn, der bereits wegen 60facher Urkundenfälschung verurteilt sei, geschützt werden. Und zumindest dem juristischen Laien erscheint die Geschichte um die Pfändung der Domain, obwohl die „taz“ die geschuldete Zahlung bereits geleistet hatte, eine eindeutige. Das Ende des Hauptverfahrens wird entspannt abgewartet.
Respekt, nicht Kritik für Afghanistans Polizei
20.8.2007Unsere Zeitung schafft es ein weiteres Mal, die Entführung einer Entwicklungshelferin aus Kabul und ihre (anscheinend unblutige) Befreiung während 48 Stunden, in eine Reihe gestellt mit einem Attentat auf Polizisten und weiteren noch laufenden Entführungen als schlechte Nachricht darzustellen.
Das sehe ich anders: Noch ohne Details der Befreiungsaktion zu kennen, hat sie meine Meinung von den Fähigkeiten der Polizei von Kabul – sie war nicht eben hoch – erheblich gehoben. Den Aufenthaltsort ausfindig zu machen, es mag durch einen Informanten geschehen sein, und die Täter festzunehmen und die Geisel zu befreien, und das vermutlich ohne ein geschultes SEK, ist nicht schlecht, ich hatte befürchtet, man würde reinstürmen und alle erschießen…
Was dagegen unsere Zeitung macht, indem sie alle Taten in einem Artikel zusammenfaßt, hat die Qualität einer Zusammenfassung der deutschen Kriminalitätsstatistik à la „die meisten Banküberfälle zwischen Alpen und Nordsee werden von bandenmäßig organisierten, mit der S-Bahn anreisenden Klau-Kids aus Köln begangen.“
Schäuble: Verbrannte Erde
11.7.2007Mit seinen aktuellen Vorschlägen rollt Wolfgang Schäuble da hin, wo kein Mann je gegangen ist, und es hat auch keiner die Absicht, ihm da hin zu folgen.
Er sei ein glühender Verfechter der Freiheit, sagte der Innenminister im SPIEGEL-Interview. Dennoch zeigen seine Ideen, daß er die Idee der Freiheit nicht verstanden hat, denn gleich der Politik der „verbrannten Erde“ verteidigt er die Freiheit, wie man ein materielles Gut bis zum äußersten verteidigen würde: „wenn ich sie nicht haben kann, soll sie niemand bekommen,“ sagt der verzweifelte Verteidiger, er ist bereit, das Verteidigte am Ende selbst zu zerstören.
Aber die Freiheit ist kein materielles Gut, das man mit solchen Mitteln verteidigen müßte. Denn anders als einen Sack Gold kann einem die Freiheit ohnehin niemand rauben, um sie selbst zu haben. Wenn Osama Bin Laden, Joe Taliban oder irgendeiner der anderen üblichen Verdächtigen es schafft, uns die Freiheit zu rauben, dann nur, indem er sie zerstört. Es ist also, sehr geehrter Herr Schäuble, nicht nötig, dies in vorauseilendem Gehorsam selbst zu tun.
OB sitzt allein auf Terrasse
4.7.2007Düsseldorfs OB Joachim E. hatte, Einheimische erinnern sich, vor 3 Wochen den Beschluß des Rats kassiert, die Genehmigung für die Terrassengastronomie an der Tonhalle zu verlängern. Die jetzt nachgereichte Begründung läßt den Streit zwischen dem OB und dem Rest der Welt ins Possenhafte abgleiten: Statt, wie vollmundig angekündigt, das Rechtswidrige des Beschlusses mit Mitteln des Denkmalschutzes zu beweisen, hängt sich E. mangels besserer Argumente an einer abstrakten Formulierung auf.
Der Beschlußtext hatte gelautet, die Verwaltung solle sicherstellen, „dass auch künftig auf der Tonhallen-Terrasse ein gastronomisches Angebot für die Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger ermöglicht wird.“ – dies wird vom Oberbürgermeister jetzt mit der Begründung abgelehnt, die Verwaltung könne auch durch Kontrollen nicht gewährleisten, „dass besagte Terrasse ausschließlich von Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürgern besucht wird.“ Ey, is’ Karneval?
Reagiert die gute alte Tante SPD nur säuerlich (Wurm: „Er hat unseren Beschluß entweder bewußt oder unbewußt mißdeutet“), platzt der FDP zu Recht der Kragen (Strack-Zimmermann: „Unglaublich albern“). Dieser Text scheint der Feder eines trotzigen Schuljungen entflossen, für ein Mitglied des Rats ist er grotesk. Er paßt zum Gesamteindruck eines – zugegeben erfolgreichen – selbstherrlichen Regenten, der keine Meinung neben seiner dulden mag und das Prinzip der Demokratie nicht recht verstanden hat.
Bessermacher und ihr Getränk
29.6.2007Bionade, die Bio-Limonade mit den merkwürdigen Geschmacksrichtungen, ist das offizielle Getränk der politisch Korrekten. Unser Freund I., der das Gesöff schon lange trank, bevor es Mode wurde, und als er richtig danach suchen mußte, ist so ein Repräsentant. Einer, der sich vornimmt, eine Tonne CO2 zu sparen. Der seinen Dienstwagen nach diesem Kriterium kauft, und seine Dienstreisen ökologisch organisiert, obwohl er sie eh’ nicht bezahlen muß, und er es ist, der dann stundenlang im Regionalexpreß rumgurkt, statt Business zu fliegen. Einer, der recht hat.
Für alle, die politisch korrekt sind und recht haben, hat Bionade ein Projekt: Stille Taten.
„Alles abbrennen und die Versicherung kassieren…“
28.6.2007„…oder verkaufen und zurückmieten!“ – Als Presbyter und Baukirchmeister habe ich beim Gedanken an die maroderen unserer Bauten schon manchmal Gedanken, die mit einem christlichen Moralbild nicht ganz vereinbar sind. Aber wenn die Sanierung eines 40 Jahre alten Pfarrhauses plötzlich Schimmel verursacht, der vorher nicht da war, wenn im Jugendkeller der Gips an den Wänden ausblüht und die Architektin sagt „das sieht doch noch gut aus, ich hatte Schlimmeres befürchtet“, wenn ein Glockenstuhl wegrostet, dann kommen einem schon solche Gedanken.
Als ich aber heute vor der katholischen Kirche St. Peter stand und mit einer Mischung aus Mitleid und Neugier das Ausmaß des Feuerschadens an ihrem Dach selbst in Augenschein nahm, da wurde mir schon blümerant.

Denn da ist sie hin, die ganze Herrlichkeit. Die Kirche nicht begehbar, weil der Stahl des Dachstuhls weggeschmolzen ist und Einsturzgefahr besteht, die Orgel verwässert; sie muß ausgebaut und ca. ein Jahr lang repariert werden. Und das nur, weil Dachdecker beim Löten unachtsam waren – an einem Schieferdach!
Da sieht man deutlich, daß es wirklich wenig bringt, daß die Versicherung zahlt. (In other news: Am Diebstahl des Fahrrads meiner Frau sieht man auch, daß es wenig bringt, wenn die Versicherung zahlt. Denn die Lauferei wünscht man niemand.)
Wo war Christian?
21.6.2007Es brennt, es brennt, die Feuerwehr, die rennt…
In Düsseldorf brannte St. Peter, eine der großen Stadtkirchen. Der Dachstuhl vom Einsturz bedroht, die Orgel verwässert, Millionenschaden. Verkehrschaos in der Innenstadt am hellichten Nachmittag. Da schalten wir doch mal center.tv ein, unseren lokalen Fernsehsender, um uns zu informieren…
Und Christian Zeelen berichtet vom letzten Schultag. Selbst in der Nachrichtensendung „Düsseldorf aktuell“ nicht einmal eine Erwähnung des Großbrands.
Unsere Informationen haben wir uns dann von RP-Online geholt, einer Zeitung. Und da denkt man, das Fernsehen sei schnell…
Können Milchmädchen Radfahren?
21.6.2007Ein herrlicher Artikel aus der Vereinszeitschrift des ADFC, „Rad am Rhein für Düsseldorf„, die Onlinefassung auf der Website ist leider nicht erreichbar.
Können Milchmädchen Radfahren?
Diese Frage ist wahrscheinlich bisher in der Wissenschaft noch nicht näher untersucht worden. Über die Rechenkünste der Milchmädchen hingegen gibt es unzählige Beispiele und fast ebenso viele Meinungen. Es wäre also eigentlich müßig, hier ein weiteres hinzuzufügen. Aber ein Ereignis, das kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war der Anlass für folgende Unterhaltung, die ich sinngemäß wiedergeben möchte: „Hast du auch schon gehört, Düsseldorf will fahrradfreundliche Stadt werden? Offiziell heißt es sogar, Düsseldorf sei bereits fahrradfreundlich.“ „Das glaub ich nicht, so schlecht wie hier sind die Bedingungen für RadlerInnen doch fast nirgendwo.“ „Trotzdem werden fast neun Prozent aller Wege mit dem Rad zurückgelegt und es sollen bald sogar 16 Prozent sein, hat die Stadt in ihren Antrag geschrieben.“ „Wie soll das gehen, es kümmert sich doch außer dem ADFC niemand um uns.“ „Doch, die Stadt hat ein großes Amt, das nur für den Verkehr da ist. Dort sollen 320 Leute arbeiten und die haben auch eine Arbeitsgruppe Radverkehr.“ „Wenn das so ist, wie du sagst, muss die Gruppe ja mindestens 28 Mitglieder haben und wird jetzt bestimmt auf 51 vergrößert, damit der Radverkehr schnell die 16 Prozent erreicht.“ „Na ja, ganz so groß ist die Gruppe wohl nicht, ich kenne bisher eigentlich nur zwei Mitarbeiter, aber das muss sich ja jetzt wirklich ändern! Und dieses Amt hat jedes Jahr 120 Millionen, um den Verkehr zu verbessern.“ „Wenn ich dann richtig gerechnet habe, müßten bisher ja davon so etwa 10 Millionen im Jahr für den Radverkehr ausgegeben worden sein und demnächst sogar 19 Millionen.“ „Das wäre wirklich schön, aber ich habe gelesen, dass die Summe für das nächste Jahr von gut zwei auf knapp eine Million reduziert werden soll.“ „Das kann doch nicht sein, wie soll die Stadt denn dann fahrradfreundlicher werden?“ „Ja, das habe ich auch noch nicht so richtig verstanden. Aber es ist vielleicht so, ein Fahrrad braucht ja viel weniger Platz als ein Auto und deshalb braucht man auch viel weniger Leute und Geld.“ „Na gut, sagen wir mal fünf Fahrräder entsprechen einem Auto, dann reicht ein Fünftel der Leute in diesem Amt, also immer noch mindestens zehn. Und beim Geld komme ich immer noch auf knapp vier Millionen.“ „Aber um bei weniger Platzbedarf zu intelligenten Lösungen zu kommen, muss man doch genau so viel Gehirnschmalz reinstecken wie bei den Autos!“
In diesem Moment traten die Milchmädchen kräftig in die Pedale und überquerten so gerade noch die Kreuzung, während ich vor einer roten Ampel anhalten musste. Dadurch konnte ich ihr interessantes Gespräch leider nicht weiter verfolgen. Bei den bekanntermaßen nicht besonders fahrradfreundlichen Ampelphasen in dieser Stadt hatte ich keine Chance, die beiden wieder einzuholen. Die eingangs gestellte Frage würde ich eindeutig mit ja beantworten, aber was die genannten Zahlen angeht, so scheinen mir diese noch genug Anlass für weitere Diskussionen zu sein.
Vielleicht gibt es aus der Leserschaft Meinungen hierzu, natürlich auch zu dem Thema, ob Milchmädchen Radfahren können?
Josef Kürten
Das ist eine Glosse, oder? Und dennoch ist alles wahr…
In jedem von uns steckt ein Zweifler
30.4.2007»Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der allgemeinverbindliche Werte gemeinschaftlich gelebt werden, und nicht plakativ geklebt werden müssen.«
In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Die Aktion Mensch fragt über die Website dieGesellschafter nach Antworten. Die Antworten überzeugen sogar. Nur – in was für einer Gesellschaft leben wir tatsächlich, frage ich zweifelnd…
Schursculs
30.4.2007Nein, ich will jetzt nicht unter die Spamkönige gehen. Vielmehr ist mir das Wort so aufgestoßen, daß ich mal gegoogelt habe. Und alles, was ich finden konnte, war der gleichnamige Spam. Merkwürdige Sache – Spammer erfinden ein Wort als Betreff? Originell, vielleicht liest dann wirklich jemand die Mail, nur weil er das Wort nicht kennt…
Verfasst von diogenes
Allgemeines |
Verfasst von diogenes
Verfasst von diogenes